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FORSCHUNGSSCHWERPUNKTE
Sexuelle Funktionsstörungen bei Frauen und Männern 
​Wie häufig sind sexuelle Probleme? Wie manifestieren sie sich? Gibt es bestimmte Menschen und Populationen, die ein höheres Risiko haben eine gewisse Störung zu entwickeln? Was sind die zugrunde liegenden Ursachen? Ganz allgemein geht es darum ein besseres Verständnis der biopsychosozialen Faktoren welche zur Entstehung und Aufrechterhaltung sexueller Probleme bei Männern und Frauen beitragen zu erlangen. Dieses Wissen hilft uns letzten Endes bei der Etablierung effektiver Behandlungsansätze und so den oft substantiellen Leidensdruck der Betroffenen zu mindern. 

 

Genetik und Erblichkeit

Wir sind die internationalen Experten im Bereich genetische epidemiologischer Forschung zu Sexualität und sexuellen Funktionsstörungen. Wir arbeiten sehr eng mit verschiedenen Zwillingskohorten - so z.B. der TwinsUK Kohorte oder dem finnischen Zwillingsregister - zusammen, was die Durchführung von grossangelegten quantitativen und molekularen Gen- und Epigenetikstudien ermöglicht. Zu diesem Thema haben wir über 30 hoch zitierte wissenschaftliche Publikationen veröffentlicht und sind nach wie vor mit zahlreichen internationalen anerkannten Forschungsgruppen in Kollaboration.

Beziehungsprobleme und -themen

Beziehungen—egal ob romantisch, sexuell, oder plantonisch—sind komplexe Gefüge und es gibt eine Vielzahl von Faktoren, welche die Beziehung formen und beeinflussen können. Ziel unseres Forschungsbestrebens in diesem Bereich ist es, mehr über diese Faktoren zue fahren und wie genau sie die dyadischen Gefüge prägen. Wie beeinträchtigen zum Beispiel sexuelle Probleme die Beziehungsqualität und - zufriedenheit? Welche Rolle spielen Hormone wie Oxytocin oder Vasporessin in der Liebe und Bindung? Welche Beziehungsformen gibt es und wie werden diese von den Personen und der Gesellschaft wahrgenommen und gelebt?

Peyronie's Krankheit 

Peyronie’s Krankheit - auch Induration Penis Plastica, IPP genannt -  ist eine Bindegewebserkrankung des Penis zur Bildung fibrinöser Plaques am Penisschaft kommt. Dies führt oft zu einer Verkrümmung und in deren Folge zu Verkleinerung/Schrumpfen des Penis und beträchtlichen Schmerzen während der Erektion. Die Krankheit hat nicht nur negative Effekte auf die Sexualität aufgrund der Schmerzen aber auch der verminderten Erektionsfähigkeit, sondern beeinträchtigt auch das sexuelle und psychische Wohlbefinden der Betroffenen und führt nicht selten zu Depressionen. Noch wissen wir nur wenig über die Entstehung und Ursache der Krankheit und es gibt nach wie vor kein Standardprotokoll für die Behandlung der IPP.  Ziel unserer Forschung ist es, die Auswirkungen der IPP auf den Patienten und deren Partner genauer zu beleuchten, sowie die Behandlungszufriedenheit und Effektivität mit einem multimodalen Therapieansatz genauer zu untersuchen.

Chronische Sexualschmerzen

Wir erforschen klinische chronische Schmerzsyndrome, die man hauptsächlich in der Gynäkologie und reproduktiven Medizin antrifft. Diese beinhalten z.B. Dyspareunie, Vaginismus, Genitalschmerzen, aber auch andere Syndrome, wie weitverbreiteter körperlicher Schmerz oder Fibromyalgie. Ziel unserer Forschung ist es, die verschiedenen Risiko- wie auch potentiellen Resilienzfaktoren zu identifizieren, welche die Transition von akutem zu chronischem Schmerz beeinflussen. Ein spezieller Fokus liegt dabei auf die Identifikation genetischer und eigenetischer Faktoren, welche die Entstehung der verschiedenen Syndrome begünstigen.

Postkoitale Dysphorie 

Einige Menschen empfinden Traurigkeit und zeigen Symptome von Verstimmung nach eigentlich befriedigender sexueller Akttivität. Dieses Phänomen nennt man Postkoitale Dysphorie (Postcoital Dysphoria, PCD).  PCD ist weitgehend unerforscht und wir wissen nur sehr wenig über die typischen Symptome, deren Ausprägung in Mann und Frau und was die zugrunde liegenden Ursachen sind. Ziel unserer Studienserie zu PCD ist es, mehr über die Prävalenz, Geschlechtsverteilung und die zugrundeliegende Ätiologie zu erfahren. Zudem sind wir an der Entwicklung eines standardisierten und validierten Erfassungsinstruments beteiligt, welches die Erhebung transkulturell vergleichbarer Daten ermöglichen wird.

Sexuelle Orientierung und Geschlechtsidentität

Ziel ist es, unser Wissen über sexuelle Orientierung und Geschlechtsidentität zu erweitern, in dem wir uns insbesondere auf die biologischen Aspekte konzentrieren, welche bei der Entwicklung und Manifestation der sexuellen Orientierung und der Geschlechtsidentität eine zentrale Rolle spielen.